Das demokratische Unternehmen

Konferenz an der TU München

Die Konferenz „Das demokratische Unternehmen“ zeigte: Das Thema der Demokratisierung in Unternehmen ist in der öffentlichen Diskussion angekommen. Ob und wie es in Unternehmen umgesetzt wird, bleibt die spannende Frage.

Mit der Fragestellung „Das Unternehmen der Zukunft: demokratisch, digital und divers? luden Prof. Isabell Welpe (TU München), Andreas Boes (ISF München) und Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger am 12.2.2015 nach München ein.

Erstaunlich war das große Interesse, gemessen sowohl an der Zahl der Teilnehmer als auch an deren Heterogenität: Unternehmen, Medien, Wissenschaft und Verbände waren der Einladung gefolgt.

Für Praxisbeispiele aus den Unternehmen sorgten: Helmut Lind - Vorstandsvorsitzender der genossenschaftlichen Sparda-Bank, Ines Pohl - Chefredakteurin der taz, Mark Stoffel - gewählter(!) CEO von Haufe-umantis, Klaus von Rottkay aus der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland, Mads Kamp - Vice President HR der William Demant Holding A/S (ehemals Oticon) und der Mehrfachunternehmer Armin Steuernagel.

In der Diskussion zeigte sich die teils stark unterschiedliche Umsetzung in den Unternehmen: Während Stahlnagel und Stoffel die Mitarbeiter über wichtige Unternehmensentscheidungen abstimmen lassen - bei umantis z. B. über das neue Mutterunternehmen - sind es bei Microsoft eher kleinere Themen, die zur Abstimmung kommen.

Bundesministerin Andrea Nahles wies darauf hin, dass Demokratie in Unternehmen auch einen politischen Aspekt hat, da Elemente davon in zahlreichen Gesetzen festgeschrieben sind. Ferner legte die Rede von Frau Nahles den Schluss nahe, dass vor allem das Thema "Crowdworking" in der politischen Diskussion eine Rolle spielt.

Prof. Klaus Dörre, Soziologe an der Uni Jena, zeigte auf, dass Demokratisierungstendenzen in Unternehmen nicht neu sind.
War es Ende der 1960er Jahre unter anderem Hans Matthöfers Vorschlag zu einer Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes, der die Diskussion von politisch-gewerkschaftlicher Seite befeuerte, so kamen 20 Jahre später die Bemühungen vom Management der Unternehmen1.
Warum setzten sich die Ansätze nicht in der Breite durch oder wurden in Teilen wieder zurückgenommen? Konkret auf die 1990er bezogen nennt Dörre das Aufkommen des Shareholder-Value-Denkens. Generell führt er Probleme in der Umsetzung in den Unternehmen aufgrund der mangelhaften Steuerung der Veränderungsprozesse und die dadurch nicht vorhandene Integration unterschiedlicher und teilweise gegensätzlicher Interessen. Nötig wären „krisenfeste Kompromisslösungen“.

Auch wenn man sich, mit wissenschaftlicher Zurückhaltung, nicht auf die Gründe für die neuerlichen Demokratisierungstendenzen festlegen wollte, so herrschte doch Einigkeit hinsichtlich der geäußerten Vermutungen: Digitalisierung, Generation Y und die Notwendigkeit von Innovationsfähigkeit und Kreativität wurden genannt.

Thomas Malone, Professor am MIT Sloan School of Management, zeigte Forschungsergebnisse zu kollektiver Intelligenz, die in einer Laborumgebung gewonnen wurden.
Das Kernergebnis: Kollektive Intelligenz einer Gruppe ist nur schwach korreliert mit der individuellen Intelligenz der Gruppenmitglieder.

Es wurden jedoch auch Faktoren gefunden, die stark zur Gruppenintelligenz beitrugen:

  • Empathie der Gruppenmitglieder (Ermittelt mit dem „Reading the Mind in the Eyes“-Test)
  • Gleichmäßige Beteiligung aller Mitglieder, d. h. keine starke Dominierung der Gruppe durch einzelne Mitglieder
  • Steigender Anteil von Frauen in der Gruppe

Der "Frauenfaktor" wird dabei teilweise auf die stärkere Empathie von Frauen zurückgeführt. Einfluss auf die kollektive Intelligenz habe somit die Empathie der Mitglieder, egal ob es sich dabei um Frauen oder Männer handelt.2

Gewohnt deutliche Worte fand zum Ende der Veranstaltung Thomas Sattelberger zur Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie und insbesondere der Automobilhersteller. Um zwischen neuen Konkurrenten wie Tesla und Apple und den asiatischen Wettbewerbern zu bestehen, seien auch weniger starre Organisationsformen notwendig. Unternehmen mit demokratischen Elemente können in einem Wettbewerb der Organisationssysteme einen Vorteil erlangen.

Update: Die Konferenzdokumentation mit Videos und Präsentationen finden Sie bei XING Spielraum und auf der Konferenzseite.

Haben Sie Fragen zur Implementierung von demokratischen Elementen in Unternehmen? Sprechen Sie mich an. Oder abonnieren Sie mein Blog, weitere Artikel zum Thema werden folgen.


1 Kern, H.; Schumann, M. (1984): Das Ende der Arbeitsteilung?

2 https://hbr.org/2011/06/defend-your-research-what-makes-a-team-smarter-more-women/ar/1

16.02.2015 von Marvin Ludwig

Schlagworte: New Work Führung Unternehmenskultur

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Kommentar von Sven Dumke |

Super Artikel und exzellentes Know-how. Danke dafür